Willkommen auf residenz-hofgarten.de Stand: 23.12.2026 · Würzburg, Bayern

Geschichte der Residenz

Von der Vision der Schönborns über die Bombennacht bis zum sorgfältig geretteten Welterbe – ein Schloss mit drei Leben.

Die bewegte Geschichte der Würzburger Residenz

Wer heute durch die hellen Säle der Residenz wandelt, betritt im Grunde drei Bauwerke zugleich – das ursprüngliche, das zerstörte und das wiederaufgebaute. Diese drei Schichten lassen sich nicht voneinander trennen, denn jede prägt das Erlebnis auf ihre eigene Weise. Das Schloss begann als kühner Plan einer kirchlichen Hochkultur, die Würzburg zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf der Höhe ihrer Macht zeigt. Es überstand zwei Jahrhunderte als gefeiertes Schmuckstück, bevor eine einzige Nacht im März 1945 fast alles auslöschte. Was darauf folgte, war nichts weniger als ein Wunder der Restaurierung, in dem Wissenschaft, Handwerk, Geld und Geduld zu einem Werk zusammenfanden, das selbst den strengsten Maßstäben standhält. Die Anerkennung als Weltkulturerbe im Jahr 1981 setzte diesem langen Weg jenen Punkt, an dem aus einem fränkischen Schloss ein gemeinsames Erbe der Menschheit wurde. Wer diese Geschichte kennt, sieht den Bau mit anderen Augen, denn jede Treppenstufe, jede Stuckblüte trägt zwei Erzählungen – die eine vom Glanz, die andere vom Verlust. Beide gehören untrennbar zusammen.

Die Schönborns und die Geburt eines Traums

Den Anstoß zum Bau gab Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn, ein Mann mit ausgeprägtem Sinn für höfische Repräsentation und einem fast familiären Drang zum Bauen. Die Schönborns waren zu jener Zeit eines der mächtigsten Geschlechter des Reiches und stellten Bischöfe in Mainz, Bamberg, Speyer, Konstanz und eben Würzburg, was ihnen eine beachtliche Schubkraft verlieh. Sie wollten den vergleichsweise schlichten älteren Bischofssitz verlassen und eine Anlage schaffen, die mit den großen europäischen Höfen mithalten konnte. Dafür legte der Bauherr 1719 den ersten Plan vor, und kurz darauf, am 22. Mai 1720, wurde der Grundstein gelegt. Die Bauarbeiten zogen sich über mehr als zwanzig Jahre hin, was zur damaligen Zeit ein normaler Zeitraum war, doch die Kosten überstiegen alle ursprünglichen Planungen. Der Bischof verlangte eine kluge Mischung aus deutscher Solidität und französisch-italienischer Eleganz, und genau dafür war Balthasar Neumann der ideale Mann. Mit den nachfolgenden Bischöfen Friedrich Karl und Karl Philipp von Greiffenklau wurden die Pläne schrittweise erweitert und schließlich vollendet. Der Bau, der mit einem nüchternen Holzmodell begann, schloss als ein Wunder der Architektur seiner Zeit.

Tiepolo, Hildebrandt und die internationale Werkstatt

Eine Besonderheit der Residenz liegt darin, dass an ihr Künstler aus halb Europa zusammenwirkten, und zwar nicht nacheinander, sondern oft miteinander. Aus Wien kam der Architekt Johann Lucas von Hildebrandt, der gemeinsam mit Neumann die Pläne abstimmte und dabei seine eigene barocke Handschrift einbrachte. Aus Venedig schließlich reiste Giovanni Battista Tiepolo an, vermutlich der größte Freskenmaler seines Jahrhunderts, der gemeinsam mit seinen Söhnen Giovanni Domenico und Lorenzo zwischen 1750 und 1753 in Würzburg lebte und arbeitete. Sein Auftrag umfasste das Treppenhaus und den Kaisersaal, und allein für diese beiden Räume entstanden Werke, deren Wirkung bis heute ungebrochen ist. Daneben wirkten Stuckateure aus Tirol, Bildhauer aus Bayern und Tischler aus dem fränkischen Umland, was eine Werkstattgemeinschaft entstehen ließ, die für die damalige Zeit ungewöhnlich kosmopolitisch war. Diese Vielfalt prägte das Schloss bis ins kleinste Detail und macht seinen besonderen Reichtum aus, weil sich darin nicht eine einzelne Handschrift, sondern ein gemeinsamer europäischer Atem zeigt.

Der schwerste Tag – die Bombennacht von 1945

In der Nacht vom 16. März 1945 verlor Würzburg in nur siebzehn Minuten praktisch seine gesamte Altstadt. Britische Bomberverbände warfen tausende Spreng- und Brandbomben, und der entstehende Feuersturm verschonte auch die Residenz nicht. Innerhalb weniger Stunden brannten die Dächer aus, und das Feuer fraß sich durch die hölzernen Konstruktionen, durch Möbel, Bibliotheken und kostbare Stoffe. Ganze Raumfolgen, darunter die Spiegelkabinette in ihrer ursprünglichen Pracht, gingen für immer verloren. Was bis heute beinahe unbegreiflich erscheint, ist die Tatsache, dass das Treppenhaus mit Tiepolos Fresko diesen Inferno tatsächlich überstand. Neumanns kühne, freitragende Konstruktion hielt den Lasten und der Hitze stand, und das Gewölbe schützte das Deckenbild über sich, während alles ringsum in Schutt sank. Wenn man heute über die ausgetretenen Sandsteinstufen schreitet, geht man also an einem Punkt vorbei, an dem Architektur fast wie ein Schutzengel gehandelt hat. Der amerikanische Kunstoffizier John D. Skilton ließ wenige Wochen nach Kriegsende ein notdürftiges Dach über dem Treppenhaus errichten und rettete damit das berühmte Fresko vor dem nun einsetzenden Frühjahrsregen, was ihm den dauerhaften Dank der Stadt einbrachte.

Wiederaufbau und Restaurierung

Der Wiederaufbau begann fast unmittelbar nach dem Krieg, anfangs mit der bloßen Sicherung der Ruinen, später mit der mühsamen Rekonstruktion der zerstörten Säle. Diese Arbeiten dauerten Jahrzehnte und sind in vielen Räumen bis heute nicht vollständig abgeschlossen. Restauratoren mussten verlorene Stuckaturen anhand von Vorkriegsfotografien neu modellieren, alte Handwerkstechniken wieder erlernen und Materialien finden, die den ursprünglichen entsprachen. Besonders eindrucksvoll war die Wiederherstellung des Spiegelkabinetts in den 1980er Jahren, bei der eine kleine Zahl spezialisierter Hinterglasmaler die jahrelangen Erinnerungsstücke nahezu Schicht für Schicht wieder erschuf. Ähnliche Geschichten ließen sich von vielen Räumen erzählen, denn jeder verlangte seine eigene Methode und seine eigenen Spezialisten. Wer heute durch das Schloss geht, kann oft nur mit fachkundiger Begleitung erkennen, was im Original und was als Rekonstruktion vor ihm steht. Genau das war auch das Ziel der Verantwortlichen, die nicht eine moderne Neudeutung, sondern eine möglichst authentische Wiederannäherung anstrebten.

Wichtige Eckdaten

JahrEreignis
1719Erste Pläne unter Johann Philipp Franz von Schönborn
1720Grundsteinlegung am 22. Mai
1744Wesentlicher Abschluss der Rohbauarbeiten
1750–1753Tiepolo schafft die berühmten Fresken
1781Vollendung der Innenausstattung unter Greiffenklau
1945Zerstörung in der Bombennacht vom 16. März
1981Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe
1987Wiedereröffnung des restaurierten Spiegelkabinetts

Bedeutung als Welterbe

Die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO 1981 würdigte nicht nur die einzigartige künstlerische Qualität des Schlosses, sondern auch die mustergültige Wiederaufbauleistung. Damit zählt Würzburg zur ersten Generation deutscher Welterbestätten, gemeinsam mit dem Aachener Dom und dem Speyerer Dom. Diese Auszeichnung verpflichtet bis heute, denn sie verlangt eine ständige Pflege, regelmäßige Berichte und ein Höchstmaß an Sensibilität bei jedem Eingriff. Genau diese Pflicht nimmt die Bayerische Schlösserverwaltung ernst und sorgt mit einem festen Stamm an Restauratoren, Handwerkern und Wissenschaftlern für den Erhalt der Anlage. Mehr Hintergründe zur Architektur lesen Sie auf der Seite Die Residenz, weitere Einblicke in die Gartenkunst auf der Seite Hofgarten. Wer einen Besuch plant, findet alle praktischen Hinweise unter Besuch und Anfahrt.